Das Gelände der Julius- Leber- Kaserne wird bereits seit 1828 als Militärstandort genutzt. Das Gelände umfasst ca. 90 ha und steht als Gesamt- Ensemble unter Denkmalschutz. Die Kaserne befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Flughafen Berlin- Tegel. Die landenden Flugzeuge überfliegen das Gelände. Aufgrund der sich wandelnden Anforderungen an die Bundeswehr befindet sich die gesamte Liegenschaft in einem kontinuierlichen Umstrukturierungsprozess. Der größte Teil der Gebäude wird genutzt und ist in einem normalen Zustand. Einzelne Gebäude stehen jedoch leer und sind in schlechtem Zustand. Haus 21a und b wurden in den 30er Jahren als Unterkunftsgebäude erstellt und waren 1945 bis zur Oberkante Keller zerstört. In der Nachkriegszeit nutzte die französische Armee die Kaserne und baute das Haus als Kinosaal wieder auf. Die Bundeswehr übernahm das Gelände 1994. Das noch vorhandene Kino wurde nicht mehr genutzt. Im Saal fanden vereinzelt Vorträge statt.
Das Gebäude steht am Haupterschließungsring der Gesamtanlage und gehört als integraler Bestandteil zum städtebaulichen Ensemble. Mit seiner Herrichtung wurde ein wichtiger Teil der Gesamtanlage in seinem Bestand gesichert und einer dauerhaften adäquaten Nutzung zugeführt.
Planungsaufgabe war der Einbau eines akustisch optimierten Probensaales für die unterschiedlichen Orchesterbesetzungen des Stabsmusikkorps in die denkmalgeschützte bauliche Hülle. Das Foyer aus den 50er Jahren sollte erhalten bleiben. Aufgrund der Nähe zum Flughafen Tegel bestanden höchste Anforderungen an den baulichen Schallschutz. Wichtigstes Kriterium für einen Probensaal ist der Klang des Raumes. Neben messbaren Kriterien wie Schalldruck und Nachhallzeit hat die klangliche Fülle und Transparenz eine hohe Wichtigkeit. Die Planung entstand somit im Dialog der vom Akustikplaner (Akustik- Ingenieurbüro Prof. Moll) und vom Architekten definierten Anforderungen.
Das nötige Raumvolumen wurde durch eine Erhöhung des Saales in den vorhandenen Dachraum hinein erreicht. Dabei wurden die statischen Reserven des Bauwerks weitgehend ausgeschöpft. Die neue Deckenkonstruktion ist durch ihren mehrschichtigen Aufbau mit unterschiedlichen Dichten leicht und dennoch schalltechnisch effektiv.
Die Forderung nach konvexen und weichen Oberflächen wurde mit geschwungenen Wand- und Deckenverkleidungen architektonisch umgesetzt. Saal und Tonstudio sind schwingungstechnisch vollkommen voneinander entkoppelt. Modernste Aufzeichnungstechnik erlaubt die Produktion hochwertiger Musikaufnahmen. Die Lüftungstechnik arbeitet absolut geräuschlos.
Die Erneuerung der Fassaden, des Daches und der Fenster wurde entsprechend dem Denkmalkonzept für die Gesamtliegenschaft durchgeführt, noch vorhandene Fassadenelemente und das Foyer aus den 50er Jahren wurden mit Korrektur der bauphysikalisch problematischen Konstruktionen saniert, neue Fassadenelemente wurden behutsam ergänzt.
Die schalltechnischen Anforderungen an die Oberflächen wurden als prägende Gestaltungselemente für den Raum eingesetzt.
Für die Gesamtmaßnahme wurden ca. 1,7 Mio. € aufgewendet. Die veranschlagten Kosten und die vorgesehenen Fertigstellungstermine wurden eingehalten.